Der Empfang in Mugg’s Zirkusstadt ist geprägt von einem sich sehr langsam drehenden Karussell, von Lichtern, die zum Eingang ins Vorzelt weisen und von der Theke, an der Ischa mit seiner blauen Spitzpilzfrisur steht und uns in herzlich willkommen heisst. Mit einem heissen Punch mit oder ohne «Güx» sitzen wir zu sechst auf dem Karussell auf einem Sofa und zwei Fauteuils und geniessen die Entschleunigung vom Alltag.
Im Vorzelt ist es geheizt und wir entledigen uns von unseren winterlichen Überkleidern und parkieren sie an der Garderobe. Schon bald geht es ins festlich geschmückte Chapiteau, wo wir von den beiden Familien Mugg, das sind Milu, Darinka, Ischa und am späteren Abend auch von Stephan persönlich begrüsst und an unseren Tisch geführt werden.
Traumschmiede
Nachdem wir unsere Getränke ausgelesen und erhalten haben, startet das Programm namens Traumschmiede. Es folgen verschiedene Bilder auf der Bühne, anfangs buchstäblich mit hängenden Bilderrahmen, die Milu mit ihrer umwerfenden Heiterkeit ausfüllt, Ischa mit Schalk und genialen Tricks und die drei engagierten Akrobaten und Akrobatinnen mit ihrem artistischen Können beleben. Zwischen den einzelnen Showblocks erhalten wir ein sehr feines 4-Gang Menü, selbst zusammengestellt und alles Bio in der Zirkusküche vorbereitet und gekocht. Jeder Gang wird durch die artistische Crew von der Bühne herab eingeleitet und meistens auch gerade serviert.
Die Bühnenshow lebt von den fünf Artistinnen und Artisten, die sowohl ihre persönlichen Acts zeigen, aber vor allem auch als Team überzeugen. Es sind dies Ischa und Milu Mugg, beide clownesk mit viel Poesie und originellen Einfällen unterwegs. Dann Ika Schnyder u.a am chinesischen Mast, Victor Goyette ebenfalls am chinesischen Mast, aber auch auf Händen balancierend und Salome Manz mit dem Roue Cyr performend. Ischa Mugg jagt von einem Stunt zum Nächsten mit einer grossen Portion Humor. Milu Mugg versprüht den ganzen Abend Heiterkeit, setzt ihre artistischen Fähigkeiten leichtfüssig und viel mit Witz um. Es gibt eigentlich wenig Einzelnummern. Meistens sind mehrere auf der Bühne und ergänzen sich gegenseitig, weil ihre artistische Ausbildung je breit gefächert ist.
Trotzdem möchten wir zwei Highlights hervorheben. Der Zirkus Mugg arbeitet an seiner Zukunft. Das Projekt "Zukunft Mugg" soll durch einen Begegnungspark sowie einem Erlebnis-Spielplatz erweitert werden und Barrierefreiheit ermöglichen. Das hat zur Folge, dass die Zirkusstadt erweitert wird Richtung Dorf. So musste ein grösserer Platz neu erschlossen werden, Wasser, Strom etc. Das braucht viele Meter neue Wasserrohre, Rohre mit Stromkabeln u.a. Gerade die Stromkabel werden von grossen hölzernen Rollen abgewickelt. Und da wurde die Idee geboren, dass mit den Rollen eine klassische Rola-Rola Nummer gemacht werden könnte. Und da hat nun Ischa eine einzigartigen Rola-Rola kreiert. Ischa balanciert auf einer sicher 2m langen Holzkiste, die auf der kleinen Rolle balanciert, die wiederum auf der grössten leeren Kabelrolle liegt und dann springt er erst noch Seil auf der langen Kiste. So haben wir das noch nie gesehen.
Das andere spezielle Gerät wurde auch von den Muggs selbst erfunden und auch konstruiert. Es ist eine Tellerrutsche, die von der Bühne her mit vier Knick-Armen in das Publikum die Vorspeise sausen lässt. Zuerst sieht diese Konstruktion eher wie eine Rakete aus, die dann sukzessiv enthüllt wird und zur Freude des Publikums rasch und sicher die Vorspeise liefert. Natürlich müssen die Teller zuerst noch vom Servierpersonal sicher aufgefangen werden, bevor sie diese an die Tische bringen. Unter grossem Applaus wurde diese Erfindung bejubelt.
Gegen elf Uhr verlassen wir beglückt, zufrieden und sehr gut verpflegt und wiederum persönlich verabschiedet die Traumschmiede Zirkus Mugg. Ein herzliches langanhaltendes Dankeschön an die beiden Familien Mugg und die weiteren Artistinnen und Artisten und die vielen Helferinnen und Helfer.
Es ist bewundernswert, wie die beiden Mugg-Familien das Alltagsgeschäft, zur Zeit vor allem das Variété Traumschmiede, die Arbeiten für ihr Zukunftsprojekt und ihr eigenes Familienleben unter einen Hut bringen.
Weil wir nicht nach Hause hetzen wollten, nahmen wir den letzten Zug nach Linthal und übernachteten im Hotel Raben. Das letzte Mal konnten wir im B&B Casa Susanna in Leuggelbach nächtigen. Beide Unterkünfte können wir sehr empfehlen. Und als Bonus haben wir von Tourismus Glarnerland einen Pass erhalten, der es uns ermöglichte, bei der Hin- und Rückreise kostenlos den ÖV im Glarnerland benützen zu können. Das machten wir dann auch und besuchten am nächsten Tag die Sonnenterrasse Braunwald, um der Nebeldecke bei uns im Unterland zu entfliehen.
Text: Olgi und Jacques Schildknecht, Fällanden£
Fotos: Jaques Schildknecht und Stephan Mugg