Dass innerstädtische Circusplätze unter Druck kommen ist nicht neu. Nun ist auch in St. Gallen die Diskussion über den Spelteriniplatz im Museumsquartier entfacht. Dort gastiert jeweils im Frühling der Schweizer Nationalcircus Knie. Der Platz wird aber auch für die OLMA-Messe und für Jahrmärkte genutzt. Anstelle von tristen Parkplätzen sähen vor allem die Stadtparlamentarier der sozialdemokratischen Partei (SP), der Jungsozialisten (JUSO) und der politischen Frauengruppe (PFG) den Spelteriniplatz viel lieber als Grünfläche. Der St.Galler Stadtrat und die Bürgerlichen im Stadtparlament wollen dem Circus Knie weiterhin Gastspiele auf dem Spelteriniplatz ermöglichen.
Am Schluss der Debatte des Stadtparlaments wurde die Ansicht weitgehend geteilt, dass am Spelteriniplatz als zentraler Veranstaltungsort festgehalten werden soll. Allerdings soll er städtebaulich weiterentwickelt werden. Auch der Circus präge das Stadtleben mit und sei von kulturellem sowie sozialem Wert. Eine Vertreterin einer bürgerlichen Partei meinte: «Falls der Circus Knie in St. Gallen keinen Platz mehr habe, dann würde ausgerechnet die Hauptstadt des Heimatkantons des traditionsreichen Circus von der Tournéeliste gestrichen, was nicht nur traurig, sondern schlicht peinlich wäre.»
Welche Funktion der Spelteriniplatz erfüllen muss, wird Gegenstand weiterer Debatten im Stadtparlament sein. Aus den verschiedenen Fraktionen ist Kompromissbereitschaft spürbar. Der Stadtredaktor des St. Galler Tagblatts hat es wie folgt auf den Punkt gebracht: «Wie sich der Circus im Laufe der Jahre gewandelt hat – vorbei die Zeiten mit Löwen und Elefanten –, so sehr ist dem Spelteriniplatz ein Wandel zu wünschen. Denn nur wer sich weiterentwickelt, kann über lange Zeit bestehen und Freude machen. Das hat der Circus verstanden. Jetzt muss der Spelteriniplatz, und mit ihm die Stadt, nur noch nachziehen. Es wäre wünschenswert, wenn man dieses Nebeneinander von Aufwertung und Akrobatik unter einen Hut bringt.»
Bild: facebook.com/MeineCircusWelt