Das Erbe von Daniel Maillard im Cirque de Noël de Moudon
«Héritage» (Erbschaft) ist gleichzeitig Programmtitel und Programm im Weihnachtscircus des Cirque Helvetia. Drei Generationen stehen gemeinsam in der Manege. Neben Brigitte Maillard und der Familie ihres Sohnes Julien Maillard ist auch sein Bruder David, der unter dem Namen David Miles seit 2011 eine eigene artistische Laufbahn eingeschlagen hat, zusammen mit seinen beiden Kindern Camille und Gohan wieder im Cirque Helvetia zu sehen. So ergibt sich eine eindrückliche Präsentation des Erbes, das sich aus den Wurzeln von Daniel und Brigitte Maillard entwickelt hat. Die festliche Première fand am 19. Dezember 2025 im gut gefüllten Chapiteau statt.
David Miles (David Maillard) eröffnet das Programm am chinesischen Mast mit kräftezehrenden Schwüngen und Haltefiguren im Wechsel mit gewagten Abfallern. Treppauf und treppab und rund um die Manege geht es in seiner zweiten Nummer auf verschieden hohen Einrädern mit originellen Tricks, z.B. auf dem Sattel liegend und das Rad mit den Händen antreibend.
Seine beiden Kinder haben vom Vater die Luftakrobatik erlernt. Camille (8 Jahre) zeigt an den Tüchern ihre Haltefiguren mit grosser Eleganz, während ihr Bruder Gohan (7 Jahre) an den Strapaten seine kontorsionistischen Fähigkeiten darbietet.
Ihr Cousin Simon (11 Jahre) hat die Zaubereien seines Grossvaters weiter ausgebaut und präsentiert sie mit seiner Mutter Anaïs als Assistentin. Mit den Laserhandschuhen zaubert Simon in seiner zweiten Nummer Lichtfiguren ans Chapiteaudach, welche exakt im Rhythmus und im Stil der Musik tanzen.
Sein Bruder Tristan (9 Jahre) führt eine andere Tradition von Grossvater und Vater weiter. Für seine Jonglagen mit Keulen, Bällen und Ringen erhält er von den Zuschauern begeisterten Applaus.
Nach 45 Jahren Arbeit unter der Circuskuppel des Cirque Helvetia kündigt Brigitte an, dass dies ihr letzter Auftritt als Luftakrobatin sein wird. Man wird ihre eleganten kontorsionistischen Figuren, diesmal ausgeführt in und an einem kugelförmigen Gitter, das sich unten öffnen lässt, in Zukunft vermissen.
Als fulminante Schlussnummer greifen Julien und David auf eine Jonglagenummer zurück, die ihnen sichtlich Spass macht und mit der sie in jungen Jahren als «Strip-Boys» Erfolge feierten und Festivalpreise gewannen. Während die Keulen ununterbrochen hin und her fliegen, entledigen sie sich eines Teils ihrer Kleider und ziehen sie sich anschliessend wieder an.
Als weitere Artisten erleben wir in zwei Nummern Marc et Romane, zuerst Romane als lebende Puppe, die scheinbar ohne Gelenke der Willkür ihres Partners ausgeliefert ist, dann bei einem romantischen tänzerischen Werben um die Gunst des anderen Geschlechts auf dem Tanzseil. Das Duo Ydil (Diane-Lou Pellaud und Yoan Eppner) hat ebenfalls zwei Auftritte. An den Strapaten zeigen sie riskante und originelle Tricks, darunter gewagte Abfaller in die Arme des Partners, die Kraft und Vertrauen erfordern. Ihre Hand auf Hand Arbeit entwickelt sich aus einem Streit zu einem Zusammenspiel mit anspruchsvollen und teilweise rasanten Tricks. Gonçalito bringt mexikanischen Schwung in die Manege. Als Höhepunkte seiner Darbietungen bleiben das Aufnehmen und Zusammenhalten von 16 Zigarrenkisten sowie die Bumerangwürfe mit Sombreros in Erinnerung. Den clownesken Part übernimmt Dimy. Mit seinem Charme gewinnt er rasch das Publikum. Die technische musikalische Begleitung der Künstler wird live ergänzt durch François Trinqueneaux (Schlagzeug) und Saphia (Gesang).
In einem eindrücklichen Schlussbild erinnern die Familie und alle Artisten an Daniel Maillard, ohne den der Cirque Helvetia nie zu leben begonnen hätte.
Nach einem Moment der Ruhe bedankte sich das Premierenpublikum für das lange aber kurzweilige Programm mit stehendem und langanhaltendem Applaus.
Der Cirque Helvetia spielt bis 4. Januar 2026 in Moudon.
Tickets und Infos: https://www.cirque-helvetia.ch/#noeltickets
Text: Edmund Ziegler
Bild: Filip Vincenz und Cirque Helvetia