Entspannt sitzt Brigitte Maillard in der obersten Sitzreihe des Gradins und es ist offensichtlich, dass sie die Première des Cirque Helvetia als Zuschauerin geniesst. Dass sie im vergangenen Weihnachtscircus in Moudon zum letzten Mal eine ihrer Luftnummern gezeigt hat, hat sie ja damals angekündigt. Auch Tristan will in diesem Sommer nicht auftreten. So erleben wir von den Mitgliedern der Familie Maillard aktuell drei in der Manege.
Assistiert von seiner Mutter Anaïs zeigt Simon Maillard eine Reihe von Zauberkunststücken. Seine Sicherheit im Auftreten ist weiter gewachsen. Seine Darbietung wirkt flüssig. Julien Maillard jongliert mit bis zu fünf Keulen. Das Publikum darf eine unterhaltsame und abwechslungsreiche Trickfolge sehen. In einer ruhigen Darbietung arbeitet Anaïs Maillard am rotierenden Kronleuchter. Ihre Haltefiguren haben eine ästhetische Ausstrahlung.
Auch für diese Tournee ist es den Maillards gelungen, namhafte Artisten ins Programm zu holen.
Minja Moonika Kultunen füllt die Manege mit ihrem Cyrrad. Anmutige artistische Figuren mit dem grossen Reif wechseln ab mit schwungvollen Drehungen und Wirbeln. Ihr Spass am Spiel mit dem Requisit ist offensichtlich und springt aufs Publikum über. Ihr Lebenspartner, der Jongleur Roni Heimo, hebt sich durch die Wahl seines Requisits und die Art seiner Darbietung von anderen Vertretern seiner Disziplin ab. Er benützt Reifen von ungefähr einem halben Meter Durchmesser. Diese wirft er in die Luft, lässt sie um seinen Körper rollen und auf den Boden prallen und zurückfliegen, und das Ganze mit einer Sicherheit und Leichtigkeit, als wäre es ein einfaches Kinderspiel, diese anspruchsvollen Tricks zu beherrschen. Steven Carroli und Emi Velkova sind nach 2023 und 2024 erneut engagiert. Ihr gemeinsamer Quick Change enthält nicht nur sekundenschnelle Kleiderwechsel, sondern dazwischen auch tänzerische und artistische Elemente, die sich gut einfügen und den Unterhaltungswert der Nummer steigern. Ausserdem überzeugt Emi Velkova mit einer temporeichen Hula-Hoop-Nummer. Ihrer schwungvollen und sicheren Arbeit hätte ich noch lange zuschauen mögen. Auch Steven Carrolis Einradnummer, für die er 2025 am Festival in Monte Carlo ausgezeichnet wurde, bekommt das Publikum zu sehen. Beschreiben lässt sie sich nicht; man muss sie sehen, staunen und geniessen. Clown Dimy setzt voll auf die Mitspielfreude von Personen aus dem Publikum, die er bei vielen seiner Auftritte in die Manege holt. Besonders aber besticht er mit seinem Glockenspiel. Dank seiner charmanten Interaktion mit den Zuschauern füllen diese die Pausen seiner Melodie mit Claps und beginnen zuerst zaghaft, dann immer bestimmter die Melodie mitzusingen. Als Echo auf die artistischen Darbietungen gefällt Saphia mit einigen stimmgewaltigen Gesangseinlagen.
Im Pressecommuniqué schreibt der Cirque Helvetia: Zusammengefügt für eine Feier des Circus von heute erfreut dieses Spektakel alle Besucher von der Familie bis zum Liebhaber lebendiger Kunst. Das kann ich unterschreiben. Einzelne Freunde des CVA habe ich an der Première getroffen. Den anderen empfehle ich eine Reise in die Westschweiz.
Infos und Tickets: https://www.cirque-helvetia.ch/
Text: Edi Ziegler
Bilder: Thierry Bissat