Circusfestival Budapest - Red-White-Green Show

Als "Red-White-Green-Show" oder eben "Ungarische Show" wird eine Vorstellung im Rahmen des Circusfestival Budapest bezeichnet, die ausschliesslich von ungarischen Artisten bestritten wird. In diesem Jahr zumindest fast - denn die Schülerinnen und Schüler der Old Ucrainian Circus School hatten ebenfalls Gastauftritte. Mit Ausbruch des Krieges trainieren Nachwuchstalente aus der Ukraine nämlich in Budapest und bereichern seither die Shows des staatlichen Circusbaus. In der Ungarn- Show waren dies Lyko Andrii, der mit Bällen jonglierte und dazu Parkour-Elemente in seine Darbietung einbaute - ein bisschen an Inshi-Cirque erinnernd. Auch Mykhailo Chepkyi und Yaroslava Lytvynova kommen von dieser Schule und zeigten im Hammock interessante Luftakrobatik mit gewagten Figuren. Letztlich zeigte die gesamte Truppe auf dem Airtrack eine farbenfrohe Aneinanderreihung von Saltos, Flic Flacs und weiteren Sprungkombinationen.

Nun aber zu den Ungarischen Darbietungen. Ádám Rudolf jr. wusste mit seiner Jonglage zu gefallen, die er im spanischen Stil präsentierte. Auch Hanusz Istvan ist Jongleur, aber mit Zigarrenkisten. Diese jongliert er als Cowboy und zu Countrymusik, was eine ungewohnte, aber sehr überzeugende Inszenierung ermöglichte. Iryna Maiboroda kombinierte Hula Hoop  mit Artistik an den Strapaten und schuf so neuartige Bilder am Boden und in der Luft. Das Duo Krikó - CVA-Preisträger in Wiesbaden - überzeugten mit ihrer anspruchsvollen Darbietung an den Strapaten inklusive Zopfhang auch in Budapest. Sie wurden mit einem silbernen Award ausgezeichnet. Die letzte Luftdarbietung des Abends präsentierten The Anna's. Ihre Darbietung an der Flying Pole hat sich seit der Teilnahme am European Youth Circus nochmals gesteigert. Gewagte Haltekombinationen, auch hier inklusive Zopfhang, in einer wunderschönen Choreografie zum Song "Voilà" von Barbara Pravi - eine Darbietung auf höchstem Niveau, die zurecht mit einem goldenen Award ausgezeichnet wurde.

Noch nicht ganz ausgearbeitet, aber eine spannende Darbietung mit viel Potential bieten  "The High Flyers", vier junge Ungarinnen, die sich dem Schleuderbrett verschrieben haben. Magisch dagegen wird es, wenn Cristofer Eötvös seine Assistentinnen verschwinden und wieder erscheinen lässt. Grosse Bühnenmagie in aufwendigen Kostümen, die mit Bronze ausgezeichnet wurde. Weniger überzeugend waren leider die Clowns Triple Trouble, wo hingegen die Donnert Family mit ihren spektakulären Reitkünsten für Begeisterung sorgten. Eine typisch ungarische Darbietung, mit der die Show endete. Zumindest aus artistischer Sicht. Denn das grosse Finale bildeten ungarischer Volkstanz und landestypische Musik. Die Ungarn-Show ist ein weiteres, klares Statement dafür, wie stolz man in Ungarn auf die eigene Circuskultur ist. Daneben ist es auch ein wunderbares Beispiel dafür, wie man Traditionen wahren und dennoch in die Neuzeit transformieren kann.