Der Circus Mundial von Gino Frank (40) reist dieses Jahr zum ersten Mal auf einer ausgedehnten Tournée in der ganzen Schweiz. Laut dem informativen Programmheft liebäugelte bereits Gino’s verstorbener Vater, Nando Frank, mit Gastspielen in der Schweiz. Weil mittlerweile einige teils alteingesessene Schweizer Circusunternehmen den Reisebetrieb eingestellt haben, sah Gino eine Marktlücke, die er mit seinem Circus Mundial nun schliessen will. Als Winterquartier nennt das Programmheft das sanktgallische Steinach am Bodensee.
Kein Gastspielplatz gleicht dem anderen. Beim Besuch in Langenthal spielte Mundial in einem Chapiteau des Circus Olympia von Dominik Gasser, weil sich der gemietete Marktplatz als zu klein für das Mundial Chapiteau erwies. Mit viel Improvisation wurden Stuhlung, Gardine, Flugtrapez, Live-Orchester, sowie die Sound- und Lichttechnik auf die veränderten Verhältnisse angepasst. Der Mehraufwand dürfte sich leider wohl nicht ausbezahlt haben. An der samstäglichen Abendvorstellung strömten gerade mal vier Handvoll Zuschauende ins Chapiteau. Die sommerliche Hitzewelle war dem Circusbesuch wohl auch nicht gerade förderlich.
Klassische Circuskunst
Gino Frank setzt auf die klassische Circuskunst und bindet seinen Sohn Menowin (Lichttechnik) und seine Tochter Latoya (Vertikalseil) auch in die Show ein. Auch wenn er dieses Jahr keine Tiere mit sich führt, schliesst er dies zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus. Denn Tiere seien aus dem klassischen Circus nicht wegzudenken. 2026 reist er mit einem sehenswerten Nummernprogramm, das von einem sechsköpfigen Circusorchester und einem Artistenensemble bestritten wird, das trotz wenig Publikum mit grosser Leidenschaft seine Kunst zelebriert und für gute Stimmung sorgt. Über eine überbordende Energie verfügt der mexikanische Clown Mosquito, der in seinen Entrées und Reprisen dann und wann die Zuschauenden miteinbezieht. Doch er kann auch jonglieren und beherrscht virtuos mehrere Musikinstrumente. Sascha Frank beeindruckt nicht nur an den Strapaten, sondern auch in einer kraftvollen Handstandequilibristik. Guilherme Sepuveda und Nathalia beweisen als Armbrustschützen hohe Präzision. Als Duo Madison präsentieren Mutter und Tochter nacheinander und gemeinsam Antipoden mit Bällen, Rollen und Teppichen. Durch Engagements im Zirkus Stey und im Circus Maramber bekannt sind Walery und Anastasiia mit ihrem Bike Act auf einer Parkbank. Soeben von einem Circusfestival in China zurückgekehrt wurde auch ihr Improvisationstalent auf eine harte Probe gestellt. Weil ihr Requisit noch irgendwo als Frachtgut unterwegs ist, musste Walery für die Vorstellung eilends eine hölzerne Parkbank zimmern.
Bei der Familie Zuniga handelt es sich um eine bekannte Artistentruppe aus Brasilien. Joaquim Zuniga tänzelt mit viel südamerikanischem Temperament auf dem Steifdraht. Doch die Zunigas sind bekannt für ihr fliegendes Trapez. Im Januar 2012 gewannen die Flying Zunigas beim 36. Internationalen Circusfestival von Monte Carlo einen bronzenen Clown. Der Höhepunkt der Nummer ist der Dreifache.
Langenthal war die vorläufig letzte Station in der Deutschschweiz. Danach verschiebt der Circustross mit 14 Materialwagen und 22 Wohnanhängern an den Neuenburgersee und setzt danach die Tournée im Wallis fort. Über Weihnachten und Neujahr ist ein Weihnachtscircus in der Ostschweiz in Planung.
Text & Bild: Filip Vincenz
Weitere Infos: https://circus-mundial.ch/