Circus Monti vor dem Saisonstart 2026

Traditionsgemäss lädt die Direktion des Circus Monti rund 10 Tage vor der jeweiligen Saisonpremiere die Medien zu einer Information nach Wohlen (AG) ein. So geschehen auch dieses Jahr, und die Journalistinnen/Journalisten trafen sich deshalb am Donnerstag, 30.7.2026 in Wohlen auf dem Merkur Areal zur Medieninfo 2026. Nebst ein paar Regional-Journalisten/Journalistinnen war auch Tele M1 vor Ort und wartete gespannt auf die Neuigkeiten aus dem Circus Monti. Die diesjährige Tournée führt vom 7. August bis 29. November 2026 in die bekannten 10 Gastspielorte mit Start in Wohlen und der Dernière in Zürich.

Direktor Johannes Muntwyler begrüsste die Anwesenden und leitete gleich über zu einer ersten Kostprobe aus dem neuen Programm unter dem Motto "Poussière d'étoiles" (Sternenstaub). Die Medienmitteilung verspricht "eine Reise zwischen Gelächter, Staunen und Missverständnissen". Als Roter Faden wird dieses Jahr ein skurriler, unkonventioneller Wahrsager die Besucher durch die Vorstellung begleiten. Die Artistinnen/Artisten kommen in diesem Jahr aus Frankreich, Kolumbien, Kuba, Kanada, Belgien, Argentinien und der Schweiz. Aus der Direktions-Familie ist Mario Muntwyler zum 20. Mal Mitglied des Manegen-Ensembles. Einmal mehr zeigt die Vielfalt der Teilnehmerländer auf, dass Circus als Kultur-Institution noch immer unterschätzt wird. Ein Circus ist seit jeher ein Mikrokosmos, der autark und trotz diverser Sprachen, Ethnien und Religionen ein harmonisches Miteinander als Grundlage vereint und aktiv gelebt wird.
Monti pflegt seit Jahren bei der Programmgestaltung ein ganz spezielles Konzept. Der Rahmen und das Thema sind grosso modo vorgegeben. Der Rest ergibt sich nach der Anreise aller Artistinnen und Artisten etwa acht Wochen vor dem Saison-Start. Zusammen im Team wird dann der Rahmen gefüllt, Ideen kreiert, diskutiert, umgesetzt, wieder verworfen und Neues ausprobiert. Ich denke, dieses Vorgehen ist weltweit einzigartig. Der Aufwand für die Ausarbeitung einer neuen Produktion ist enorm. Für Konzept und Regie zeichnen 2026 Itzel Viruega (Mexiko/ Kanada) und Jérémie Robert (France/Kanada) verantwortlich, dies beobachtet durch das "Oeil extérieur" Marie-Josée Gauthier, die bereits selber Monti Produktionen einstudiert und präsentiert hat. Vielfach unterschätzte Komponenten in einem Programm sind die Musik und die Beleuchtung. Mit ihrem professionellen Einsatz werden die Aktionen in der Manege speziell herausgestrichen und aufgewertet – so quasi ins "rechte Licht gerückt". Dafür sind diesmal Thierry Epiney (Musik) und Jasper Baan Hofmann (Lichtregie) zuständig.
Thierry Epiney komponierte 2026 bereits zum sechsten Mal die kompletten Kompositionen für das Monti-Programm. Bevor er mit der Arbeit beginnt, schaut er die Videos der engagierten Artisten/Artistinnen an. Nach dem Eintreffen der Protagonistinnen lernt er alle persönlich kennen, spricht mit ihnen – nicht nur über Musik, sondern über ganz alltägliche Themen – um sich ein Bild der verschiedenen Persönlichkeiten zu machen. Musik ist magisch, Musik sind Gefühle und daraus entstehen dann seine Kompositionen. Dabei kann er sich auf sechs hochkarätige Musiker verlassen und das Ganze ergibt dann eine Einheit.
Bei der Lichtregie geht Jasper ähnlich vor – dabei muss er auch die Einfallswinkel des Lichtes beachten. Die Künstlerinnen/Künstler dürfen nicht geblendet werden und trotzdem gut ausgeleuchtet sein, nur so kann ein harmonisches Gesamtbild entstehen. Jasper ist in diesem Jahr zum zweiten Mal verantwortlich für diese knifflige Arbeit. Eine gewisse Erleichterung gibt es zu den früheren Jahren. Heute wird jeder einzelne Scheinwerfer im Computer programmiert und diese Programmierung kann auf jedem der zehn Spielorte übernommen werden. Dafür ist ein sehr grosses Fachwissen erforderlich, was dann während der ganzen Spielzeit Auswirkungen hat. Früher musste an jedem Ort jeder Scheinwerfer neu ausgerichtet und justiert werden. Im Vorfeld ist der Aufwand heute eher grösser als früher, dafür gibt es Vorteile während der Reise vor Ort.
Bereits zum dritten Mal kreierte Barbara Tschumi alle Kostüme, immer in Absprache mit der Regie und den Künstlern. Jede auftretende Person erhält zu Beginn der Saison zwei Kostüme. Diese müssen strapazierfähig, bequem, pflegeleicht und gut in die Show integriert sein; eine echte Herausforderung für die Schneiderin. Auch die Pflege der Kostüme ist für die ganze Tournée durchorganisiert. Jeden Montag ist "Waschtag". Eine Person ist für diesen Job verantwortlich. Da werden die Kostüme gewaschen, kontrolliert und falls nötig geflickt.

Ein kurzer Blick auf die "Play-List" des Programms macht schon im Voraus einen vielversprechenden Eindruck. Da wird eine Strapaten-Nummer, eine Darbietung am Russischen Barren, am Fangstuhl, mit der Perche, Clownerien, Jonglagen im Programm sein. Zudem wird eine Handstand-Arbeit, ein Roue Cyr und ein Vertikalseil ebenfalls in den vielseitigen Circus-Traditions-Auftritten zu sehen sein.

Zu Beginn und am Ende der Info konnten die Anwesenden zwei kurze Einblicke in das Programm geniessen. Zuerst zeigte uns die Schweizer-Artistin Robyn Haefeli aus Lausanne am Roue Cyr einige ihrer exzellenten Tricks. Daniel Cyr machte dieses Ring-Gerät 2003 mit dem Gewinn des Silbernen Preises am "Festival Mondial du Cirque de Demain" in Paris bekannt. Seither trägt das vielseitige und beliebte Arbeitsgerät seinen Namen. Danach wurde an den Olympischen Spielen in Turin 2006 in der Schlussdarbietung mit diesen Geräten gearbeitet  und machte damit das Roue Cyr weltweit bekannt. Die mit dem Roue Cyr gearbeiteten Tricks haben sich in den letzten Jahren massiv verändert und das Niveau steigt von Jahr zu Jahr. Was vor ein paar Jahren nicht denkbar war, wird heute mit einer Selbstverständlichkeit gezeigt; immer wieder ein wahrer Augenschmaus.
Die zweite an der Info gezeigte Darbietung war die Schlussnummer des diesjährigen Monti-Programms. Es ist eine Perche-Darbietung, die seinesgleichen sucht. Normalerweise arbeiten zwei bis drei Akteure zusammen eine Perche-Nummer. Dazu gehört idealerweise ein kräftiger Untermann und eine Artistin, welche die Stange hochklettert und oben Handstand, Fahne und andere Tricks zeigt. Bei Monti wechseln sich die Unterleute (Damen und Herren) sowie die an der Stange agierende Artisten und Artistinnen ab. Diese Gruppenarbeit wurde in den letzten Wochen ausgearbeitet und ist ein beeindruckendes Gesamtbild mit ständig wechselnden Akteurinnen/Akteuren. Ich habe in den vergangenen rund 50 Jahren schon sehr viele Perche-Darbietungen gesehen, eine solche Variante hat bisher im Palmares noch gefehlt. Beeindruckend nicht nur durch die gezeigten Übungen am Gerät, sondern auch durch die Vielseitigkeit der engagierten Artistinnen/Artisten im ganzen Programmablauf.

Monti 2026 garantiert schon jetzt und einmal mehr beste Unterhaltung und ein farbiges Manegen-Spektakel, welches man nicht verpassen sollte.

Text: Alfred Reichle

Fotos: Anna Reichle