2026 feiert Roncalli ein halbes Jahrhundert voller unvergesslicher Erlebnisse, artistischer Höchstleistungen und poetischer Momente. Der Circus Roncalli, der 1976 als poetischer Gegenentwurf begann, ist ein halbes Jahrhundert später ein weltweit bekannter und breit diversifizierter Brand, in der die Circustradition mit neuzeitlichen Elementen verschmilzt.
Die Jubiläumsshow vereint hochkarätige Artistik mit der Roncalli typischen Poesie und der Bernhard Paul’schen Detailverliebtheit. Letztere äussert sich etwa bei der üppigen Kostümierung und den eigens für die Show mit viel Aufwand angefertigten Requisiten. Zusammen mit der spürbaren Spielfreude aller Akteure, dem musikalischen Klangteppich von Georg Pommer und den passenden Showeffekten sind die Voraussetzungen geschaffen, um – in den Worten des Hausclowns Gensi – den Kummer draussen zu lassen und in die Herzen der Artisten zu kommen.
Die Clownerie hat im Circus Roncalli Tradition. Den Gegenpart zum seriösen Gensi übernehmen der Peruaner Canutito junior und Kevinski aus den Niederlanden. Teilweise gesellt sich auch Professor Wacko zum Clowntrio hinzu, der mal als Hofnarr, mal als Gymnastiker von anno dazumal in den Reigen der Spässe eintritt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters – er ist fünf Jahr älter als Roncalli – ist seine Fitness beeindruckend. Mit Housch-ma-Housch steht in der Jubiläumsshow ein für Roncalli eher progressiver Clown in der Manege. Seine Exzentrik kommt aber auch beim Roncalli-Publikum sehr gut an. Und wie bei den grossen Clowns üblich, hat er nicht nur aufgrund seiner Kostümierung und Maske eine unsterbliche Kultfigur erschaffen, sondern auch sein «kaputt» oder sein «wow» sind zu seinem unverkennbaren Markenzeichen geworden.
In die Geheimnisse der Magie entführt Alexandra Saabel. Ihre Illusionen verpackt die Italienerin in wunderschöne Requisiten und wird dabei vom Roncalli-Ballett passend unterstützt. Actiongeladen präsentiert das vierköpfige Demian Gritsko Team seine Russische Schaukel mit hohen Sprüngen bis unter die Circuskuppel. 2025 war es mit dem Circus Harlekin auf Tournée. Beim Venice Carnival sind nicht nur die Kostüme fantasievoll, sondern der ganze Act lebt von der Kombination von klassischen Circusdisziplinen, wie dem Trampolin, Ikarischen Spielen und dem russischen Barren. Auch das Duo Vitalys fordert dem Körper alles ab. Die beiden Peruaner zeigen ihre Hebeakrobatik im Adagio. Als Höhepunkt umrunden sie Kopf-auf-Kopf die Manege. Nicht minder spektakulär ist der Zopfhang des Duo Hair Suspension. Poesie, Equilibristik und Anmut vereint schliesslich das Trio Rêve.
Bernhard Paul hat den Circus Roncalli nicht nur gegründet, sondern er war auch als Clown Zippo ein Publikumsliebling. Auch wenn sich Lili einem anderen Artistik-Genre verschrieben hat, darf der Vater stolz auf seine jüngste Tochter sein. Bei ihrer beeindruckenden Kontorsion mit tänzerischen Einlagen geizt sie nicht mit ihren Reizen. Zu Roncallis Next Generation zählen auch Justin Philadelphia am Flying Pole und seine Schwester Geraldine mit Hula Hoops. Als Nachkommen von Roncalli’s Geschäftsführer Patrick Philadelphia sind sie im Circus Roncalli aufgewachsen.
Roncalli ist ein Gesamtkunstwerk. Sobald der Einlass 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn eröffnet wird, tauchen die Besucher in eine nostalgische Circuswelt ein, wie sie Bernhard Paul erträumte. Seinem wahr gewordenen Traum dürfen wir seit 50 Jahren Anteil nehmen. Herzliche Gratulation und auf die nächsten 50 Jahre voller Poesie.
Tickets und Infos: https://www.roncalli.de/
Text & Bild: Filip Vincenz