48. Circusfestival Monte Carlo – Show B

Die zweite Auswahlshow des diesjährigen Internationalen Circusfestivals in Monte Carlo erstreckt sich über klassisch pure Circusgenres bis hin zu progressiveren Kunstformen. Zu letzterem zählen die BMX Free Style sowie Daniel Simu mit einer Hand auf Hand mit Robin. Bei Robin handelt es sich um einen Roboter, den der Artist selber konstruiert hat. Die Bewegungsabläufe des mechanischen Konstrukts sind einem menschlichen Partner täuschend echt nachempfunden. Doch trotzdem soll dieser Anblick in der Cirusmanege nicht zur Gewohnheit werden. Wenden wir uns somit den Artisten aus Fleisch und Blut zu.

Die zahlenmässig grösste Artistentruppe des Festivals stammt aus der Mongolei. Nicht weniger als 19 Artistinnen und Artisten der Truppe Nomuna beleben die Manege mit mehreren Schleuderbrettern. Die eigens fürs Festival zusammengestellte Darbietung ist in den Musical-Klassiker der West Side Story eingebettet. Doppelsalto auf Dreimannhoch, Rückwärtssalto mit Monostelzen und Fünffachsalto auf die Matte entzünden das akrobatische Feuerwerk. Rhythmisch mitreissend und akrobatisch höchst anspruchsvoll ist die Truppe Kolfe aus Äthiopien. Über zwei gegenüberliegende Schleuderbretter gelangen die Artisten in hohen Sprüngen auf den Untermann, der auf der Trinka liegend für Ikarische Spiele übernimmt.

Die Hermanos Reyes aus Peru präsentieren Keulen- und Reifenjonglage, begleitet von einer mitreissenden Musikauswahl. Die Nummer gipfelt im wahrsten Sinne des Wortes auf der hohen Schulterperche, wobei beide Brüder mit Keulen und Reifen jonglieren. Dagegen kommt die Hand auf Hand-Akrobatik des peruanischen Duo Migranti etwas improvisiert daher – einige der Tricks wollen nicht so recht gelingen. Fatal würde es sich auswirken, wenn Joan Godinho am Trapez patzen würde. Denn der 39-jährige Portugiese beeindruckt mit Rist-, Fersen- und Genickhang sein Können an der Trapezstange. Ebenfalls als Solokünstler steht Martyn Chabry in der Manege. Die Belgierin betritt das Scheinwerferlicht bereits in siebter Generation und verbindet sehr virtuos ihre beiden Leidenschaften: Musik und Quick Change – ganz ohne Assistenz.

Tony Alexis darf sicherlich auch als Ikone der Circuswelt bezeichnet werden. Zusammen mit seiner Frau Jeannette und seinem Sohn Tonito bildet er das klassische Clowntrio mit Weissclown, August und Contre-August. Bereits im Alter von fünf Jahren stand Tony zum ersten Mal mit seinem Vater in der Manege. Das ist nun 65 Jahre her. In Monte Carlo zeigt das Trio ein Musikal- sowie ein Karate-Entrée. Der so oft totgesagte Clownnachwuchs manifestiert sich im chilenischen Duo Peperoni. 11- und 15-jährig haben die beiden Brüder bereits eine originelle Gestik entwickelt. Und auch ihre akrobatischen Künste auf dem Trapez sind nicht ohne. In der Generation «New Generation» tritt auch der Österreicher Stefan Dvorak auf der Rola Rola zum friedlichen Wettkampf um die begehrten Junior-Preise an. Für sein Können, das er unter anderem von Eddy Carelo erlernt hat, erntet er grossen Beifall und Standing Ovations. Lang anhaltender Applaus und stehende Ovationen gibt es auch für Ilya, Regina und Töchterchen Zara im Zopfhang, die in der vergangenen Saison mit dem Circus Harlekin in der Schweiz auf Tournée waren. Als im letzten Jahr bekannt wurde, dass sie nach Monte Carlo eingeladen werden, haben sie ihren Act weiter ausgebaut und verfeinert, sowie die achtjährige Tochter integriert. Das Produkt nun in der grossen Manege von Monte Carlo zu erleben, war für den Schreibenden dieser Zeilen der emotionale Höhepunkt des Festivals.

Und schliesslich vervollständigen die Tiere die klassische Circustrilogie. Neben den von der Show A bekannten Hunde- und Taubenrevue von Andrejs Fjodorov sowie der Freiheit von Florian Richter hat seine Tochter Angelina mit der Ungarischen Post ihren grossen Auftritt. Im Schlussbild sind es 20 Pferde, die Angelina am langen Zügel führt und dabei noch Hindernisse überspringt. Auch dieser Nummer hat das Publikum mit einer Standing Ovation grossen Respekt gezollt.

Text und Bild: Filip Vincenz